Rezension: James Oswald: Dreamwalker (Serie)

Ich liebe Geschichten mit Drachen und daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich die Dreamwalker-Serie von James Oswald lese.
Dazu gehören diese fünf Bücher, von denen das letzte Buch erst am 11.12.2017 auf dt. erscheinen wird (*Partnerlinks zu Amazon):

  1. Der Zauber des Drachenvolkes* (416 Seiten)
  2. Das Geheimnis des Magierordens* (480 Seiten)
  3. Die Gefangene des Drachenturms* (512 Seiten)
  4. Das Reich der Drachen* (544 Seiten)
  5. Der Zauber des Drachenvolkes* (576 Seiten)

In dieser Geschichte wird vom Drachen Benfro und den Jungen Errol erzählt. Thematisch geht es um Magie, Vorurteile, Manipulation, Geschichte, Politik, Unterdrückung und Krieg.

Meine Meinung

Ich finde es schwer, den Inhalt von meiner Meinung zu trennen, daher fange ich einfach an. Sobald ich den fünften Teil gelesen habe, werde ich diesen Text hier aktualisieren.

Wie schon erwähnt, mag ich Drachengeschichten sehr gerne, dieses Buch hat es mir ganz schön schwer gemacht …

Eigentlich Nur ein Buch

Genau, „dieses Buch“ im letzten Satz war kein Fehler, sondern Absicht. Denn eigentlich sind das keine voneinander getrennten fünf Bücher, sondern eigentlich ein Buch, was gefühlt willkürlich in fünf aufgeteilt wurde. Wahrscheinlich sollte ich dankbar sein, dass es nicht sechs Bücher geworden sind.
Aber wer will auch schon etwas über 2.500 Seiten auf einmal in der Hand halten?

Die Geschichte geht fast nahtlos einfach immer weiter.

Das Ende jeden „Buches“ kommt einfach so, ohne eine Form von Abschluss oder Steigerung. Nur zum Abschluss gibt es einen Cliffhanger.
Damit gehört es definitiv zu den Büchern, die man erst lesen sollte, wenn man alle Teile schon da hat und auch bereit ist, diese Seitenanzahl auch wirklich zu lesen. Aber genauso gut kann man einfach so mal eine längere Pause machen, man wird sehr schnell wieder rein kommen.

epische Länge

Diese Geschichte hat eine epische Länge in bester Tolkien-Tradition, unterscheidet sich aber fundamental vom Meister.

Jede Kleinigkeit wird ausführlich und direkt mehrfach beschrieben, so dass vieles redundant und langweilig wirkt. Das mag vielleicht gewünscht sein, um jemandem, der die Geschichte nicht in einem Rutsch liest, noch mal zu erklären, was da gerade passiert – aber so kompliziert ist die Handlung nun auch nicht, dass das unbedingt nötig wäre.

Hallo Lektorat, noch wach?

Leider hat scheinbar das Lektorat an einigen Stellen auch nicht funktioniert. Auch wenn ich durch das jahrelange Lesen von Onlinetexten kleine Fehler ohnehin gar nicht mehr wahrnehme (und selber genug Fehler mache), stolperte ich dennoch über einige wilde Satzkonstruktionen oder Abschnitte, bei denen nicht ganz klar war, wer nun gerade redet (selbst vom Inhalt her).

Insbesondere im 3. und 4. Teil gibt es einige Fehler. Vielleicht auch nur ein Problem der digitalen Ausgabe, das kann ich natürlich nicht ausschließen.

Viele Männer

Die Geschichte wird – von einer Ausnahme abgesehen – fast nur aus der Sicht von Männern erzählt. Es gibt einige handelnde Frauen in der Geschichte und sie haben sehr wichtige Bedeutungen, aber sie kommen gefühlt dennoch kaum selber zu Wort.

Die Ausnahme ist Königin Beulah, die wichtigste Gegenspielerin. Sie ist machtgierig, ehrgeizig und grausam – kurz: kaum ein Unterschied zum wichtigsten Gegner, Inquisitor Melyn.

Beulah

Zwar bekommt sie im 4. Teil ein Kind, ist diesem Kind aber nicht sehr zugetan und ärgert sich eigentlich auch mehr darüber, weil sie in der Schwangerschaft keine Magie wirken konnte.

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Die interessanteste Person der ganzen Serie ist für mich Martha, die Kinderfreundin von Errol. Leider kommt sie nur im ersten Buch vor und wird danach zwar dauernd erwähnt, ist aber abwesend.

Martha

Ja, abwesend, weil sie gar nicht mehr in Errols Welt ist, sondern in der anderen Welt bei Gog und dort eine Gefangene. Warum sie dort gefangen gehalten wird über einen solch langen Zeitraum? Keine Ahnung, das verschweigt der Autor bis zum Ende des 4. Teiles …

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Langeweile

Das größte Problem finde ich, ist die aufkommende Langeweile. Dadurch, dass alles in wiederkäuender Weise wiederholt wird und die Geschichte einfach so vor sich hin plätschert und wenig passiert, kommt wenig Spannung auf. Inhaltlich gibt es eigentlich genug Potential für Spannung, daran liegt es nicht.
Es liegt definitiv daran, wie die Geschichte erzählt wird, siehe auch den nächsten Absatz.

Zu viele Abschnitte hätte man streichen können und es hätte an der Geschichte kaum etwas geändert.

Vorhersagbar

Viele Stellen werden quasi im Voraus angekündigt. Jedes Kapitel fängt mit einem Meta-Text an, was für das Worldbuilding interessant ist, aber leider auch zu oft die Wendung im folgenden Kapitel weg nimmt.

Ich fühlte mich eins ums andere Mal um die Spannung betrogen, weil ich mir nach diesen einleitenden Worten schon zusammen reimen konnte, was als Nächstes passieren wird.

Ganz besonders schlimm finde ich das bei zwei Themen, die zwar nichts mit diesen Meta-Texten zu tun haben, die ich aber extra spoilern möchte:

extra Spoiler

Im 4. Teil werden zwei Dinge als Entdeckung behandelt, die eigentlich spätestens seit dem 2. Teil klar auf der Hand liegen: 1. der Hirte ist eigentlich ein Drache (Magog) und 2. Melyn ist der Vater von Beulah. An diesen Stellen, wo das als Entdeckung behandelt wird, ist es mir als Leser nur ein Schulterzucken wert, weil ich das schon vor vielen, vielen Seiten begriffen hatte.

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Permanente Perspektivwechsel

Der Erzähler ändert sich dauernd, damit muss man zurecht kommen. Ich finde das gut, denn dadurch erhält man bessere Einblicke in verschiedene handelnde Personen. Allerdings erzeugt es auch einen großen Abstand zu allen Handelnden und emotionale Nähe kommt bei mir gar nicht auf.
Kaum hat man sich an eine Person gewöhnt, kommt schon die Nächste.

Auch wenn die beiden Hauptpersonen der Geschichte eigentlich Benfro und Errol sein sollen, werden nach dem ersten Buch die anderen handelnden Personen fast genauso ausführlich geschildert. Allerdings sehe ich das sehr positiv, denn nur „Benfro und Errol“ wäre ganz schön langweilig geworden.

Das klingt sehr viel negativer, als es eigentlich ist und natürlich passiert unheimlich viel in dieser Geschichte. Ebenso findet bei diesen beiden auch eine Menge an Charakter-Entwicklung statt.

Benfro und Errol

Die Geschichte fängt mit der Geburt bzw. dem Schlüpfen der Beiden am gleichen Tag an und entwickelt sich von da aus weiter. Dass man als lesende Person dann im vierten Teil bei ca 17 Jahre alten Personen angekommen sind, muss ich mir immer wieder vor Augen führen.

Denn ich wollte das ein oder andere Mal beide einfach nur schütteln, weil sie sich so dusselig benehmen und naiv bleiben. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Kinder/Jugendliche generell dumm wären, manchmal fehlte den Beiden halt einiges an Lebenserfahrung – was die Geschichte allerdings wieder etwas „realistischer“ werden lässt.

geeignet für Kinder?

Nein, definitiv nicht. Es geht größtenteils um Manipulation und Krieg, auch das Erleben von Folter wird ausführlich geschildert. Es gibt auch einige Gemetzel, sie werden zwar nicht im Detail beschrieben – was gut ist und der Geschichte auch nicht geholfen hätte.

Beispiele

Ein Beispiel aus dem 1. Teil: Benfro muss dabei zusehen, wie seine Mutter geköpft wird und wird danach von den Mördern verfolgt. Im 3. oder 4. Teil wird Errol gefoltert und ihm beide Knöchel mehrfach gebrochen – bevor er ebenfalls geköpft werden soll. Im 4. Teil geht es gefühlt von Gemetzel zu Gemetzel.

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Fazit

Wenn ich so viel zu kritisieren habe, warum habe ich die Geschichte dann trotzdem gelesen? Immerhin reden wir hier nicht nur über ein Buch, welches man an einem Nachmittag mal eben ausgelesen haben könnte.

Bei so vielen Seiten wäre es eher ungewöhnlich, wenn ich gar keine Kritikpunkte hätte. Auch wenn ich auf einiges hätte verzichten können – ich mag die Geschichte und möchte auch wissen, wie sich das Ganze auflöst.